Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk im Winter?

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Balkone eines Mehrfamilienhauses, an zwei Brüstungen hängen Solarmodule eines Balkonkraftwerks
Symbolbild: Balkone eines Mehrfamilienhauses, an zwei Brüstungen hängen Solarmodule eines Balkonkraftwerks
Inhaltsverzeichnis

Im Winter steht die Sonne tief, die Tage sind kurz, oft ist es bewölkt. Wie viel ein Balkonkraftwerk dann noch liefert, lässt sich mit PVGIS ausrechnen, dem Solarrechner der EU-Kommission. Hier sind die Zahlen für Hamburg und München, je nach Ausrichtung.

Alle Ertragswerte stammen aus PVGIS 5.3, abgerufen am 20.10.2026. Ich habe keine eigene Anlage gemessen.

Die Zahlen: Dezember und Winter im Überblick

Gerechnet ist eine Anlage mit 800 Wp Modulleistung, also etwa zwei Standardmodulen. Die Werte sind Mittelwerte der Jahre 2005 bis 2023. Im Dezember sind das in Hamburg pro Tag 0,56 kWh (30° Süd), 0,71 kWh (senkrecht Süd) und 0,18 kWh (senkrecht West).

Anlage, 800 WpDez. (kWh)Nov–Feb (kWh)Jahr (kWh)Anteil Nov–Feb
Hamburg, 30° Süd17,298,078312,5 %
Hamburg, 60° Süd22,4119,175515,8 %
Hamburg, senkrecht Süd22,1112,557019,7 %
Hamburg, senkrecht West5,636,43929,3 %
Hamburg, senkrecht Ost6,038,44059,5 %
München, 30° Süd35,8169,490418,7 %
München, senkrecht Süd42,7185,165028,5 %

Zum Vergleich: Im Juni liefert dieselbe Anlage in Hamburg mit 30° Neigung 103,3 kWh, also sechsmal so viel wie im Dezember.

Säulendiagramm der Monatserträge eines 800-Wp-Balkonkraftwerks in Hamburg nach PVGIS. Im Sommer liefert die 30 Grad nach Süden geneigte Anlage mit rund 100 kWh pro Monat am meisten. Von November bis Februar liegt die senkrechte Südanlage vorn, im Dezember mit 22,1 kWh gegenüber 17,2 kWh. Die senkrechte Westanlage liefert im Dezember 5,6 kWh.
Monatsertrag in Hamburg nach Ausrichtung. Quelle: PVGIS 5.3 (EU-Kommission, JRC), 0,8 kWp, 14 % Systemverluste.
So habe ich gerechnet
  • Werkzeug: PVGIS 5.3 der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission, Strahlungsdaten PVGIS-SARAH3 aus Satellitenmessungen, Jahre 2005 bis 2023.
  • Anlage: 0,8 kWp, kristalline Module, fest montiert. Für die Systemverluste habe ich den PVGIS-Standardwert von 14 % übernommen. Er steht für Verluste in Kabeln, Wechselrichter und durch Verschmutzung.
  • Standorte: Hamburg (53,55° N, 9,99° O) und München (48,14° N, 11,58° O). Der Horizont durch Gelände ist berücksichtigt, Schatten von Gebäuden, Bäumen oder dem Balkon darüber nicht.
  • Schwankung: Einzelne Jahre weichen vom Mittel ab. Für Hamburg, senkrecht nach Süden, gibt PVGIS für den Dezember eine Standardabweichung von 3,8 kWh zwischen den Jahren an.

Für deinen eigenen Standort kannst du dieselbe Rechnung in PVGIS mit deiner Adresse, Neigung und Ausrichtung machen.

Warum senkrechte Module im Winter vorn liegen

Im Winter steht die Sonne tief am Himmel. Steile Module treffen ihre Strahlen dann besser als flach geneigte. Das Umweltbundesamt schreibt, senkrecht am Balkongeländer montierte Module lieferten „im Sommer niedrigere, im Winter dafür etwas bessere Erträge“. Laut Verbraucherzentrale erhöht die senkrechte Anordnung „im Winterhalbjahr die nutzbaren Erträge“.

Die PVGIS-Werte zeigen dasselbe. In Hamburg liefert die senkrechte Südanlage von November bis Februar 112,5 kWh, die 30°-Anlage 98 kWh. Übers Jahr gerechnet liegt die 30°-Anlage mit 783 zu 570 kWh aber klar vorn.

Ost, West und der Kompromiss mit 60°

Ost und West: Im Winter geht die Sonne im Südosten auf und im Südwesten unter. Eine senkrechte Fläche nach Westen oder Osten bekommt dann wenig ab. In Hamburg sind es im Dezember 5,6 bzw. 6,0 kWh, ein Viertel der senkrechten Südanlage.

60° als Kompromiss: Mit 60° Neigung nach Süden liefert die Anlage in Hamburg im Winter am meisten (119,1 kWh von November bis Februar) und übers Jahr fast so viel wie mit 30° (755 zu 783 kWh). Das geht nur mit einer Aufständerung, die der Hersteller für diesen Winkel freigibt. Wind- und Schneelasten musst du beachten.

Lohnt sich das Umstellen im Herbst? Wer eine verstellbare Halterung hat: Von 30° auf 60° bringt das in Hamburg von November bis Februar laut PVGIS 21 kWh mehr. Bei 37 ct/kWh sind das knapp 8 €, wenn du den Strom selbst verbrauchst.

Schnee, Nebel und Schatten

Nebel und Wolken stecken in den PVGIS-Mittelwerten schon drin. Schnee dagegen nicht: Die JRC nennt ihn ausdrücklich als Effekt, den PVGIS nicht berechnet. Auch Schatten von Gebäuden oder Bäumen fehlen.

Was Schnee und Schatten ausmachen

Schnee: Liegt Schnee auf dem Modul, kommt laut COMPUTER BILD „fast keine Leistung mehr an der Steckdose an“. In deren Praxisbeispiel rutschte der Schnee vom steileren Modul schneller ab. Am kleinsten sei das Problem bei senkrecht am Geländer montierten Modulen. Das Freiräumen lohne sich auch sonst „praktisch nicht“.

Schatten: Die Verbraucherzentrale warnt, dass schon wenige Prozent Verschattung die Leistung eines Moduls um mehr als 50 % senken können. Im Winter fallen Schatten wegen der tiefen Sonne länger aus. Ein Nachbarhaus oder Baum, der im Sommer kein Problem ist, kann dann das Modul treffen. Prüf deinen Montageort deshalb auch an einem sonnigen Wintertag um die Mittagszeit.

Was bringt das in Euro?

Mit dem Strompreis aus dem Rechenbeispiel des Umweltbundesamts von 37 ct/kWh:

Hamburg, senkrecht SüdErtraghöchstens gespart
Dezember22,1 kWh8,18 €
November bis Februar112,5 kWh41,63 €
ganzes Jahr570 kWh210,90 €

„Höchstens“, weil nur selbst verbrauchter Strom Geld spart. Den Rest speist die Anlage ohne Vergütung ins Netz ein. Übers Jahr rechnet das Umweltbundesamt ohne Speicher mit 45 % Eigenverbrauch. Wie hoch der Anteil im Winter ist, hängt davon ab, wie viel dein Haushalt tagsüber gleichzeitig braucht. Belastbare Monatswerte dafür habe ich nicht gefunden.

Für einen Speicher heißt das: Im Winter bleibt wenig Überschuss, den er aufnehmen könnte. Mehr dazu im Artikel Balkonkraftwerk mit Speicher: Lohnt sich das?.

Was im Winter sonst zu beachten ist
  • Anmeldung: Gilt unabhängig von der Jahreszeit. Auch eine Anlage, die du im Winter in Betrieb nimmst, registrierst du innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister. Details im Artikel Balkonkraftwerk anmelden 2026.
  • Befestigung: Vor dem Winter die Halterung auf festen Sitz prüfen. Stürme und Schnee belasten sie zusätzlich.

Quellen

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Häufige Fragen

Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk im Dezember?
Laut PVGIS liefert ein 800-Wp-Balkonkraftwerk in Hamburg im Dezember im Mittel 17,2 kWh, wenn die Module 30° nach Süden geneigt sind, und 22,1 kWh senkrecht nach Süden. Senkrecht nach Westen oder Osten sind es 5,6 bzw. 6,0 kWh. In München sind es 35,8 bzw. 42,7 kWh nach Süden.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk im Winter überhaupt?
Im Winter allein kaum: Von November bis Februar kommen in Hamburg je nach Ausrichtung nur 9 bis 20 % des Jahresertrags zusammen. Ob sich die Anlage lohnt, entscheidet der Ertrag übers ganze Jahr. Im Sommer erzeugt eine Südanlage ein Vielfaches.
Sind senkrechte Module im Winter besser?
Ja. Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale schreiben, dass senkrecht montierte Module im Winter etwas bessere Erträge liefern. In den PVGIS-Werten für Hamburg liefert die senkrechte Südanlage im Dezember 22,1 kWh, die mit 30° geneigte 17,2 kWh. Übers Jahr liefert die geneigte Anlage aber deutlich mehr.
Muss ich Schnee vom Balkonkraftwerk entfernen?
Laut COMPUTER BILD ist das Problem bei senkrecht am Geländer montierten Modulen am geringsten, weil Schnee von steilen Flächen schneller abrutscht. Das Freiräumen lohne sich praktisch nicht. Steig dafür nicht auf Dächer oder über das Geländer.

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