LiFePO4 oder NMC: Welcher Akku gehört in die Powerstation?
Inhaltsverzeichnis
Fast jede neue Powerstation wirbt mit „LiFePO4“. Ältere Geräte und viele Powerbanks nutzen dagegen NMC-Zellen. Was steckt hinter den Kürzeln, und spielt es für dich eine Rolle? Hier fasse ich zusammen, was eine Laborstudie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und die Herstellerangaben dazu sagen.
Ich habe keine eigenen Messungen gemacht. Die Zahlen stammen aus den verlinkten Quellen.
Was die Kürzel bedeuten
Lithium-Ionen-Akkus unterscheiden sich vor allem im Material der Kathode:
- LFP oder LiFePO4: Lithium-Eisenphosphat
- NMC: Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid
- NCA: Lithium-Nickel-Kobalt-Aluminium-Oxid
Die KIT-Forscher haben 2023 handelsübliche Zellen im Format 21700 mit allen drei Kathoden verglichen. Das ist ein verbreitetes Rundzellen-Format, 21 mm dick und 70 mm lang. Die Zellen wurden gezielt überhitzt und mit einem Nagel durchstochen.
Sicherheit: LFP reagiert später und schwächer
Die Ergebnisse der Studie in Kürze:
- Überhitzung: NMC-Zellen reagierten zuerst, NCA-Zellen gingen etwas früher in den thermischen Durchgang („Thermal Runaway“). LFP-Zellen reagierten „langsamer und bei deutlich höheren Temperaturen“. Der Durchgang setzte bei vollgeladenen LFP-Zellen im Mittel bei rund 256 °C ein, bei NMC bei rund 198 °C.
- Nageltest: LFP-Zellen gingen bei keinem Ladezustand in den thermischen Durchgang und erreichten höchstens rund 130 °C. NMC- und NCA-Zellen taten das bei 30, 50 und 100 % Ladung.
- Ladezustand: Bei 0 % Ladung trat bei keiner Chemie ein thermischer Durchgang auf.
Das Fazit der Autoren: LFP-Zellen sind „inhärent sicherer“ als NCA- und NMC-Zellen. Sie weisen aber auch darauf hin, dass das langsamere Reagieren das Erkennen eines Fehlers erschweren kann. Batteriemanagementsysteme müssten darauf ausgelegt sein.
Wichtig für die Einordnung: Die Studie untersuchte einzelne Zellen, keine fertigen Powerstations. Wie sicher ein Gerät ist, hängt auch von Gehäuse, Elektronik und Batteriemanagement ab. Dass ein Gerät mit LFP-Akku trotzdem durchfallen kann, zeigt der ADAC-Test 2025. Dort bekam die Jackery Explorer 1000 v2 wegen nicht entkoppelter DC-Eingänge die Note „mangelhaft“, mit Zellchemie hatte das nichts zu tun.
Der Preis: weniger Energie pro Zelle
Die Sicherheit hat laut KIT einen Preis. Im 21700-Format war die LFP-Zelle nur mit 3 Ah erhältlich, NMC und NCA mit 5 Ah. Weil LFP zudem eine niedrigere Nennspannung hat (3,3 V statt 3,6 V), ergibt das:
| Zelle (21700) | Kapazität | Nennspannung | Energie |
|---|---|---|---|
| NMC / NCA | 5 Ah | 3,6 V | 18 Wh |
| LFP | 3 Ah | 3,3 V | 9,9 Wh |
Für dieselbe Kapazität braucht ein LFP-Gerät also mehr Zellen und wird größer und schwerer. Bei den Powerstations in meinem Vergleich liegt die Energiedichte des ganzen Geräts, also Kapazität geteilt durch Gewicht laut Hersteller, zwischen rund 61 Wh/kg (EcoFlow RIVER 3 Plus) und rund 108 Wh/kg (Anker SOLIX C2000 Gen 2). Darin stecken neben den Zellen auch Gehäuse, Wechselrichter und Lüfter. Große Geräte schneiden deshalb meist besser ab.
EcoFlow RIVER 3
- Kapazität
- 245 Wh
- Dauerleistung
- 300 W
- Gewicht
- 3,55 kg
- Solar max.
- 110 W
- Akku
- LiFePO4
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Jackery Explorer 300 Plus
- Kapazität
- 288 Wh
- Dauerleistung
- 300 W
- Gewicht
- 3,75 kg
- Solar max.
- 100 W
- Akku
- LiFePO4
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Anker SOLIX C2000 Gen 2
- Kapazität
- 2.048 Wh
- Dauerleistung
- 2.400 W
- Gewicht
- 18,9 kg
- Solar max.
- 800 W
- Akku
- LiFePO4
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Lebensdauer: Zyklenangaben richtig lesen
Die Hersteller der LFP-Powerstations in meinem Vergleich geben 3.000 bis 4.000 Ladezyklen an. Achte darauf, worauf sich die Zahl bezieht:
- EcoFlow RIVER 3: 3.000 Zyklen bis 80 % Restkapazität
- Anker SOLIX C1000 Gen 2: 4.000 Zyklen bis mindestens 80 %
- DJI Power 1000 Mini: 4.000 Zyklen, danach über 80 %, gemessen bei 25 °C und 400 W Entladung
- Jackery Explorer 1000 v2: 4.000 Zyklen bis 70 %
Eine Angabe „bis 70 %“ ist nicht mit „bis 80 %“ vergleichbar. Unabhängige Langzeittests der Zyklenfestigkeit habe ich für keines der Geräte gefunden. Die Zahlen sind Herstellerangaben.
Ein indirektes Indiz liefert die Garantie. Anker staffelt sie in der EU ausdrücklich nach Zellchemie: 5 Jahre für Modelle mit LiFePO4, 1,5 Jahre für Modelle mit NMC-Akku. Die NMC-Modelle in Ankers Liste sind ältere PowerHouse-Geräte.
Temperatur: Laden ab 0 °C
Die meisten Geräte in meinem Vergleich dürfen laut Datenblatt erst ab 0 °C geladen werden. Beispiele sind die EcoFlow RIVER 3, die Jackery-Modelle sowie die Anker C300X, C1000 Gen 2 und C2000 Gen 2. DJI gibt für die Power 1000 Mini −10 bis 45 °C für Betrieb und Laden an. Wer im Winter campt, sollte das Gerät vor dem Laden aufwärmen lassen.
Was heißt das für den Kauf?
- Für Powerstations ist LFP heute Standard. Alle zehn Modelle in meinem Vergleich nutzen LiFePO4. NMC begegnet dir vor allem bei älteren oder sehr leichten Geräten und Powerbanks.
- Wenn Gewicht alles ist, kann NMC Vorteile haben. Prüfe dann besonders die Garantie und unabhängige Sicherheitstests.
- Zyklenangaben nur bei gleicher Restkapazität vergleichen.
- Die Zellchemie ersetzt keinen Gerätetest. Auf den Produktseiten stehen die Testergebnisse je Modell.
Quellen
Quellen anzeigen
- Ohneseit, S. et al. (KIT): Thermal and Mechanical Safety Assessment of Type 21700 Lithium-Ion Batteries with NMC, NCA and LFP Cathodes, Batteries 2023, 9(5), 237, doi:10.3390/batteries9050237
- Anker SOLIX: Portable Power Station Warranty Policy (EU)
- ADAC: Mobile Powerstations im Test 2025, 11.06.2025
- Herstellerangaben zu Zyklen, Temperaturen und Gewicht: EcoFlow RIVER 3, Anker SOLIX C1000 Gen 2, DJI Power 1000 Mini, Jackery Explorer 1000 V2 sowie die übrigen auf den Produktseiten
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